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Jahrgang LVII Heft 1, 2007

 
   
 

 
 

Rezensionen

„Gemoll“ - das Standardwerk für Altgriechisch in vollständiger Neubearbeitung, erschienen bei Oldenbourg-Schulbuchverlag: München/Düsseldorf/Stuttgart 2006 (ISBN 978-3-486- 00234-8)

Der „Gemoll“, das griechisch-deutsche Schul- und Handwörterbuch von Wilhelm Gemoll, gilt als Klassiker unter den Nachschlagewerken für die Lektüre griechischer Originaltexte. Für Generationen eifriger Lerner des Griechischen war und ist der „Gemoll“ ein treuer Wegbegleiter durch die Welt der Antike, weil er einen vollständigen Wortschatz aller gängigen Schulautoren erfasst. Seit der Ersterscheinung des „Gemoll“ 1908 ist nun fast ein Jahrhundert vergangen. Ergänzungen und Korrekturen bestimmten in der Folge die Notwendigkeit, das Werk in weiteren Auflagen zu überarbeiten, wie dies vor allem in der 9. Auflage aus dem Jahre 1965 geschehen ist.

Ein wesentlicher Anlass zur Überarbeitung bestand nunmehr darin, das Griechischlexikon benutzerfreundlicher, übersichtlicher und klarer zu gestalten. Dies gilt zunächst für die Voranstellung deutscher Übersetzungsvarianten vor den griechischen Stellenangaben. Damit wurden also formale Überarbeitungskriterien herangezogen, die dem Vorwort zufolge ausdrücklich auf den Wunsch Lernender erfolgten. Wer die 9. Auflage neben die Neuerscheinung legt, wird unzweifelhaft zustimmen können, dass hier ein deutlicher Fortschritt erzielt worden ist.

Aber auch inhaltliche Änderungen sind erfreulich: War gerade in früheren Neuauflagen die Korrektur etymologischer Klärungen Anlass einer Überarbeitung (5. Auflage von 1954), so finden sich in der neuen, zehnten Auflage ergänzende Angaben zu Etymologien und Stammbildungen wie z.B. bei ἀριϑμὁς und καλύπτω. Zweifelhafte Etymologien wurden als solche deutlicher als bisher gekennzeichnet (z.B. ἄνϑρπος, ἴημι, καλός).

Eigennamen wie Αἰτωλἰα werden nun im Übersetzungsteil sinnvoll eingedeutscht oder transkribiert. Der Benutzer erhielt in der 9. Auflage an dieser Stelle nur den Hinweis zur geographischen Lage der Landschaft, ohne dass ihm jedoch die Übersetzung „Ätolien“ geboten wurde; in der neuen Auflage wird dieser Hinweis in eckige Klammern gesetzt.

Die Anpassung der Wortübersetzungen an den modernen Sprachgebrauch trägt sicherlich dazu bei, antiquiert wirkende Übersetzungen zu vermeiden und für einen insgesamt verständlicheren Sprachduktus zu sorgen. Und in der Tat wird sich der heutige Benutzer bei καταγλωττἰζω mit dem Verweis auf γλῶττα sowie die Bedeutungsangabe „einen Zungenkuss geben, küssen“ ein plastischeres Bild von dem Vorgang machen können als mit der alten Übersetzung „schnäbelnd küssen“.

Ein alphabetisches Verzeichnis der geläufigsten attischen Stammformen gehört sicherlich zu den Qualitätsmerkmalen des neuen Lexikons. Bieten sie doch gerade dem Anfänger nicht nur einen überschaubaren Überblick, sondern auch eine konkrete Hilfe, um Einzelformen (z.B. δέδωκα) auf ihre Grundform (δίδωμι) zurückzuführen.

Erleichterung erfährt der Nutzer dadurch, dass Grundbedeutungen polysemer Wörter hervorgehoben sowie Abkürzungen und Autorensiglen tabellarisch übersichtlich und eindeutig formuliert werden. So kann der Leser nun auf Anhieb erkennen, welcher Autor sich hinter den Abbreviaturen verbirgt. Noch in der 9. Auflage konnte in „Arist“ Aristoteles oder Aristophanes gelesen werden, wenn nicht vorher das Verzeichnis der Abkürzungen gründlich studiert wurde. Auch das sog. Griffregister mit lateinischen und griechischen Buchstaben ist gerade für Anfänger sehr hilfreich. Dieser Zielgruppe gelten auch die sehr nützlichen Hinweise zur Benutzung des Lexikons im vorderen Bucheinband.

Eine höhere Benutzerfreundlichkeit allerdings entsteht gewiss nicht durch die typographische Gestaltung, wenn die Lemmata nicht mehr wie bisher im Fettdruck erscheinen und vor allem die Formenbildungen im Anschluss an die griechischen Stellenangeben in einem schwarz-grauen Farbton auf einem ohnehin etwas grau wirkendem Papier nahezu verschwinden. So könnte bei dem weniger geübten Nutzer der Eindruck entstehen, dass beispielsweise der starke Aorist von κιχάνω, ἔκιχον, zusätzlich mit einem Zirkumflex auf „i“ versehen ist; dabei möchten die Herausgeber wie in der 9. Auflage durch ein Häkchen die metrische Kürze andeuten. Wirklich fehlerhaft ist dann aber die Weglassung des Iotasubskriptums im Konjunktiv Aorist der 3. Person κίχησι [sic!] statt κίχῃσι.

Die Einleitung mit Erläuterungen zur Herkunft und Entwicklung der griechischen Sprache und ihrer Dialekte stellt eine grundsätzliche Überarbeitung des entsprechenden Teiles der 9. Auflage dar. Dazu gehören auch wichtige Prinzipien der Wortbildungslehre. Die Ausführungen sind insgesamt flüssig zu lesen, bedacht werden dabei chronologische Strukturierungsmerkmale.

Der neue „Gemoll“ folgt überdies dem Regelsystem der neuen Rechtschreibung. Der nunmehr dunkelblaue Einband trägt auf der Vorderseite eine künstlerische Gestaltung von Lutz Siebert- Wendt, der die Aquarell- und Federzeichnung des Malers Paul Klee mit dem Titel „Kühlung in einem Garten der heissen Zone“ aus dem Jahre 1924 zugrunde legt. Der Interpretation dieser expressionistischen Darstellung auf der Titelseite des „Gemoll“ dürften mannigfaltige Spielräume offen stehen.

Gewiss kann der neue „Gemoll“ wie sein Vorgänger ebenfalls ein zuverlässiger Begleiter für Schule und Studium werden. In manchen Punkten ist er wirklich benutzerfreundlicher, übersichtlicher und klarer geworden. Ob es jedoch den Benutzern gelingt, sich an die insgesamt etwas blass und unübersichtliche Typographie und Präsentation zu gewöhnen, wird die Praxis in Zukunft zeigen. Sicherlich könnte man den Herausgebern zumindest den Rat erteilen, die Lemmata im Druckbild deutlicher hervorzuheben und die Nachweise über die vorkommenden Formen lesbarer zu gestalten. Es besteht hier durchaus die Gefahr, dass sonst fundierte Formenlehre im Nichts zu verschwinden droht. Dies aber wird in niemandes Interesse sein.

Dr. F. Löbker, Leer

Ryszard Kapuscinski, „Meine Reisen mit Herodot",
Eichhorn-Vertag , Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-8218- 4746-8

Fernab der gewohnten philologischen oder historischen Betrachtungsweise von Altphilologen oder Althistorikern nähert sich der polnische Journalist und Auslandskorrespondent Ryszard Kapuscinski den „Historien“ des Herodot, der mit diesem grundlegenden Werk der altgriechischen Literatur als „Vater der Geschichte“ in die Geschichte eingegangen ist.

Kapuscinski, der seit dem Ende der 50er Jahre als Journalist für verschiedene polnische Zeitungen Reisen unternahm, die ihn vor allem in die verschiedensten Länder Asiens und Afrikas führten, fühlt sich mit Herodot, dessen Werk er erst nach seinem Geschichtsstudium in einer polnischen Übersetzung kennen lernte, in einer Art Seelenverwandtschaft verbunden. Er fühlt sich als Nachfahre des vom „ἰστρειν, dem „Nachforschen", geradezu besessenen großen Vorgängers, der weder Mühe noch Entbehrung noch irgendeine Gefahr um dieses Ziels willen scheut. Ihn treibt, wie er es selbst mehrmals formuliert, ein geradezu psychischer Hunger, „die Grenze zu überschreiten", das heißt zu sehen, wie es auf der anderen Seite aussieht. So erkennt er denn auch gerade in Herodot einen der ersten Menschen, der zu globalem Denken fähig gewesen ist. Auf seinen Reisen wird ihm Herodots Werk ein steter Begleiter, von dem er sich je nach besuchtem Ort und eigenem Erleben zu Fragen ganz im Sinne Herodots anregen lässt. „Was für ein Kind ist der kleine Herodot?“, „Warum hat er in seiner Jugend diesen Entschluss (nämlich Nachforschungen durchzuführen) gefasst?", „Wie reist er?“, Ist er auf seinen Reisen allein oder führt er einen Sklaven mit sich?“ sind nur einige der Fragen, die für ihn wichtiger sind als solche, die nach der historischen Genauigkeit oder philologischen Bedeutung Herodots gestellt werden.

In seinen Berichten über Reisen nach Indien, China, Ägypten, Äthiopien, Algerien, Persien und in den Kongo, um nur einige zu nennen, lässt sich der Autor durch immer wieder neue Assoziationen, ganz im Sinn herodoteischer Exkurse, dazu anregen, kürzere, aber auch längere Passagen aus den „Historien“ zu zitieren, die den interessierten Leser, dem Herodot bisher nicht oder nur wenig bekannt ist, vielleicht dazu bewegen, sich mit seinem Werk zu beschäftigen.

Nicht nur Fachkollegen, die einmal ihren Herodot aus bisher ungewohnter Perspektive sehen möchten, sei also dieses Buch empfohlen, das einen großen Bogen über 2000 Jahre europäischer Geschichte schlägt, sondern jedem, der interessiert ist, am Beispiel dieses Buches die Wirkung kennen zu lernen, die frühes griechisches Denken bis heute ausstrahlt.

Dieter Motzkus, Göttingen

Nachtrag der Redaktion:

Ein Herodot für unsere Zeit
So lautete der Titel des Nachrufs auf Ryszard Kapuscinski in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 25. Januar 2007 (S.31). Anlässlich des Todes von Ryszard Kapuscinski am 23.01.2007 würdigt Marta Kijowska den polnischen Schriftsteller und Journalisten als „polnischen Journalisten des Jahrhunderts“. Kapuscinski sei weltweit als scharfsinniger Analytiker politischer Umwälzungen und sozialer Prozesse sowie gleichzeitig als Schöpfer einer besonderen Art der literarischen Reportage, deren Stil und Sprache den Fakten eine zweite Dimension verliehen, bewundert worden, schreibt Kijowska.

Geschichten vom Krieg in Afrika
Auch die Welt brachte am 27.01.2007 einen Nachruf von Krisztina Koenen. Ryszard Kapuscinski habe in seinen Reportagen Mosaikstein an Mosaikstein gelegt und so große, ideologiefreie Panoramen geschaffen.

Georgios M. Bizyenos, Die Folgen der alten Geschichte. Die Sünde meiner Mutter.
Griechisch und Deutsch, übers. und mit einem Anhang versehen von Paraskevi Sidera-Lytra, Peust & Gutschmidt Verlag, Göttingen 2006, ISBN 3-933043-15-8

Neugriechische Literatur hat es in Deutschland immer noch schwer, obwohl besonders der Romiosini-Verlag in Köln seit über 20 Jahren stetig bemüht ist, griechischen Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts Gehör in Deutschland zu verschaffen. Auch andernorts (u.a. bei dtv, Suhrkamp, Insel, Reclam und kleineren Verlagen) kann man Proben moderner neugriechischer Literatur finden. Einen recht guten Überblick gibt dabei der kleine Katalog „Neugriechische Literatur in deutscher Übersetzung", der anlässlich der Frankfurter Buchmesse 2001, auf der Griechenland das Gastland war, von der Griechischen Kulturstiftung in Berlin herausgegeben worden und dort auch noch erhältlich ist. Inzwischen sind denn auch Namen von Dichtern wie Kavafis, den beiden Literaturnobelpreisträgern Seferis und Elytis und auch Ritsos hierzulande nicht mehr ganz unbekannt. Demgegenüber sind allerdings Übersetzungen neugriechischer Prosa, vor allem des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer noch Mangelware, sieht man einmal ab von Nikos Kazantzakis, dessen meiste Romane in deutscher Übersetzung vorliegen. Anderes findet sich teilweise eher in Anthologien, die vor allem schon vor längerer Zeit von Isidora Rosenthal-Kamarinea herausgegeben worden sind. Aus diesem Grund ist jeder Versuch zu begrüßen, deutsche Leser mit bislang unbekannten Prosawerken vor allem etwas älterer neugriechischer Autoren bekannt zu machen, wie es jüngst der kleine Göttinger Verlag Peust & Gutschmidt unternommen hat, in dessen Reihe „Kleine Bibliothek der vergessenen Autoren" eine Ausgabe mit zwei Erzählungen von Georgios Bizyenos auf griechisch und deutsch erschienen ist.

Der Zufall will es, dass das kleine Büchlein mit den beiden Erzählungen „Die Folgen der alten Geschichte“ und „Die Sünde meiner Mutter“ gerade in Göttingen erschienen ist, besteht doch eine enge Verbindung des Autors, seiner erstgenannten Erzählung und der Herausgeberin und Übersetzerin zu dieser Stadt.

Γεώργιος Βιζυηνός, dessen deutsche Schreibweise zwischen Vizyinos, Visyinos, Viziinos und Bizyenos schwankt (letztere hat er selbst bei Angaben auf Dokumenten während seiner Göttinger Studienzeit verwendet und wurde deshalb auch für dieses Buch gewählt), 1849 in ärmlichen Verhältnissen im damals noch türkischen Ostthrakien geboren, ging nach seinem Abitur in Athen als Stipendiat eines griechischen Bankiers 1850 nach Deutschland, wo er in Göttingen, Leipzig und Berlin Philologie, Philosophie und Psychologie studierte und 1881 in Göttingen sein Studium mit der Promotion abschloss. Nach kürzeren Aufenthalten in Paris und London kehrte er 1884 endgültig nach Athen zurück, wo es ihm allerdings trotz seiner Habilitierung nicht gelang, seine geplante wissenschaftliche Laufbahn mit Erfolg fortzusetzen Diese und andere Enttäuschungen führten zu einer schweren psychischen Erkrankung, an deren Folgen er 1896 in Athen starb. Neben wissenschaftlichen Arbeiten, vor allem zu psychologischen Themen, veröffentlichte er mehrere Gedichtsammlungen sowie eine Reihe von Erzählungen, zu deren bedeutendsten die beiden vorliegenden gehören.

In der Erzählung „Die Folgen der alten Geschichte", einer tragisch endenden Liebesgeschichte, die mit viel psychologischem Einfühlungsvermögen beschrieben wird, finden sich historisch interessante Beschreibungen nicht nur der Stadt Göttingen und der dortigen, damals als vorbildlich geltenden Anstalt für geistig Kranke, sondern auch des Harzes, wo der Verfasser, wie er es selbst in der Erzählung anschaulich schildert, in Clausthal einen alten Schulkameraden aus Athener Tagen besucht, der an der dortigen Bergakademie studiert und gleichzeitig aber auch zu einer der beiden tragischen Hauptfiguren der Geschichte wird. In der zweiten Erzählung, die stark autobiographische Züge trägt, wird der Leser dagegen mit der spannenden Schilderung eines Familienschicksals in die Heimat des Verfassers nach Thrakien entführt.

Die sehr detaillierte und kenntnisreiche Kommentierung und Übersetzung der beiden Texte lag in den Händen von Paraskevi Sidera-Lytra, die ihrerseits seit über 30 Jahren in Göttingen ansässig ist, wo ihr Mann als Byzantinist und Neogräzist an der Universität gewirkt hat. Wie sie in ihrem Vorwort betont, soll die zweisprachige Ausgabe sowohl Leser, die über keine griechischen Kenntnisse verfügen, mit einem bedeutenden neugriechischen Schriftsteller bekannt machen als auch Griechischlernenden literarischen Lesestoff bieten.

Einige Druckfehler und Unebenheiten im deutschen Ausdruck sind angesichts des Gesamteindrucks des empfehlenswerten Buches leicht verzeihlich. Leider hat aber das handliche Format des Buches auch seinen Preis, denn das recht kleine Schriftbild erfordert bei einer längeren Lektüre seinen Tribut von den Augen des Lesers.

Dieter Motzkus, Göttingen

Arno Schmidt, Das Elend des Logos -Antike Philosophie nach Aristoteles- mit Radierungen von Ernst Marow
Logos Verlag Berlin 2005 ISBN 3-8325-1007-9

Arno Schmidt legt auf rund 200 Seiten eine Darstellung der hellenistischen Philosophie in der Zeit von 360 v.Chr. bis 500 n.Chr. mit einem 52-seitigen Anhang zur einschlägigen Literatur, mit Erklärungen von Namen, Personen, Gottheiten, geographischen Bezeichnungen, Fachausdrücken und einem Sachindex vor.

Aufgelockert und geschmückt ist diese Darstellung mit zahlreichen Radierungen von Ernst Marow.

Die Philosophie des Hellenismus ist im Studium der Klassischen Philologie gewöhnlich ein Desiderat. Desto nötiger und hilfreicher ist ein Hilfsmittel, das dem Interessierten Überblick und Einsicht in diesen Gegenstand europäischen Denkens ermöglicht. Schmidts Buch erfüllt diese Aufgabe. Es ist bewusst auch für den nicht eingearbeiteten Leser konzipiert. Das zeigt der ausführliche Anhang mit detaillierten Erklärungen. Man merkt dem Buch an, dass es der Arbeit mit Studenten, zumal solchen, deren Thema nicht die Alten Sprachen sind, geschuldet ist. Der pädagogisch-didaktische Impetus des Verfassers und Universitätslehrers wird immer wieder deutlich, wenn er seine Studenten unmittelbar anredet. Angesichts der angenommenen Voraussetzungen der Angeredeten scheinen Informationsfülle und Detailgenauigkeit systematischer Gedankenentfaltung allerdings wegen der damit verbundenen Überlast bisweilen fragwürdig. An mancher Stelle ist wohl auch der eine öder andere griechische Fachterminus samt Übersetzung nicht nötig. Es sei denn, es soll deutlich gemacht werden, wie wichtig es gewesen wäre, in der Schule schon Griechisch gelernt zu haben.

Aber auch der Belesene wird viele nützliche Informationen finden, die zu finden ihn ansonsten viel Zeit und Mühe kosten würden. Schmidt hat eine große Fülle von Literatur verarbeitet, wie die vierseitige Bibliographie belegt. Sein Buch hat streckenweise geradezu den Wert eines Nachschlagewerks. Viele Beziehungen, die Schmidt aufdeckt und denen er nachgeht, öffnen dem Leser die Augen für manchen Problemhorizont, wobei man Ausflügen in die Politik der Gegenwart nicht immer folgen und die Auffassungen des Autors nicht unbedingt teilen muss.

Die Untersuchung beginnt mit einer Einführung in Geist und Politik des Hellenismus, beschreibt die Entwicklung der Skepsis, das Denken Epikurs, die Stoa in Hellas und in Rom, wendet sich Lukrez zu, Seneca und Mark Aurel und führt über Plotin und Proklos schließlich zu Boethius, um nur einige Namen zu nennen. Sie beschreibt den Zusammenhang von Platonismus und Neuplatonismus und manches mehr.

Kurz gesagt: Ein lesenwertes Buch, das dem „Anfänger" wie auch dem Fortgeschrittenen eine Fülle von Informationen und Einsichten vermittelt, ihm mühsames Nachschlagen und Suchen in verschiedenen und abgelegenen Quellen erspart, ihn anregt und die Aufmerksamkeit auf die Spätphase antiker Philosophie in Europa lenkt.

Dr. Kurt Gieseking, Sarstedt