Percy Jackson - Ein Kinobesuch im Lateinunterricht
oder die Frage: Ist Uma Thurman eine sinnvolle Mentalmap?
In Anbetracht der Tatsache, dass wir Lateinlehrer uns mit dem Vorurteil rumplagen müssen, dass unser Fach alltagsfern, altmodisch und anachronistisch ist, scheint die Verbindung der Worte Kino und Latein wenig sinnvoll- gar absurd. So spiegelten die fragenden und amüsierten Blicke anderer Lehrer, als ich ihnen mein Vorhaben schilderte, doch eben dieses Vorurteil und vor allem die Frage wider: Ist es nicht eher ein krampfhafter Versuch, den Lateinunterricht zu modernisieren ohne didaktische Sinnhaftigkeit?
Nein- im Gegenteil: Der Film besitzt in der Tat eine Legitimation für den Lateinunterricht, da durch ihn die Schüler wichtige mythologische Sagengestalten in moderner Inszenierung erfahren. Die zentrale Frage, die sich mir aufdrängte, war nun: Wie lässt sich der Film sinnvoll didaktisieren? Im Fokus dabei sollte bei meiner Planung die Abgrenzung zwischen antiken Sagen und dieser modernen Inszenierung stehen, damit die Schüler in der Lage sind, nach dem Film das Moderne von der Antike zu unterscheiden. So bedarf es konkreter Arbeitsaufträge (vgl. Kästchen) und mythologisches Zusatzmaterials (Gustav Schwab), das den Schülern den Vergleich zur Antike ermöglicht.
Arbeitsaufträge:
- Nenne den Vater der großen olympischen Götter!
- Erkläre den Begriff Halbgott und nenne zwei Beispiele!
- Erkläre, was eine Furie ist!
- Erkläre, was ein Satyr ist. Vergleiche den Satyr aus dem Film mit einem antiken Satyr!
- Beschreibe das Aussehen eines Zentaurs!
- Erkläre den Zusammenhang zwischen Persephone und der Unterwelt!
- Beschreibe das Aussehen von Medusa und erkläre, worauf man bei einem Treffen mit ihr achten muss, um nicht zu sterben!
- Erkläre, was passiert, wenn man der Hydra einen Kopf abschlägt! Vergleiche, was die Freunde von Percy machen mit dem, was Herkules gemacht hat!
- Benenne wichtige Personen im Hades!
- Vergleiche die Höllenhunde im Film mit dem antiken Höllenhund Cerberos!
Mit den olympischen Göttern und der Perseus-Sage vertraut wagte die 6. Klasse nun unter meiner Führung den Sprung vom Klassenzimmer ins Kino. Percy, Medusa, Hades, Poseidon u.a. rissen uns allesamt circa 100 Minuten in ihren Bann. Das sich im Vorraum anschließende Bearbeiten der Arbeitsblätter glich einem Ameisenhaufen. Eifrig, engagiert und zudem euphorisch vertieften sich selbst sonst weniger motivierte Schüler in die Aufgaben.
So kam ich beim Anblick der begeisterten Schüler nicht umhin mich zu fragen: Ist es in einer Gesellschaft, in der die Bedeutung der Unterhaltungsmedien stetig steigt, nicht im Lateinunterricht unabdingbar, auch moderne Unterhaltungsmedien zu integrieren? Sind nicht in diesem Sinne Uma Thurman als grausame Medusa und Kevin Mc Kidd als attraktiver Poseidon als Mentalmaps für die Schüler sinnvolle, an die Gesellschaft angepasste Ergänzungen für sonstige Sagenzeichnungen?
Gabi Heinrich |